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Bier von hier
Dank
der rührigen Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt
in der Schweiz gibt es heute mehr Biere bei uns als je zuvor. Auch
auf dem Platz Zürich.
Alles begann mit einem «kleinen Bildungsreisli» in
Europas Biermetropole, München, vor genau fünfzehn Jahren. «Wir
waren damals zu fünft. Alles Zürcher Freunde und alle
Bierliebhaber. Und als wir in der bayerischen Hauptstadt sahen,
dass es in jedem Restaurant ein anderes Bier gibt, in Zürich
dagegen nur eines oder zwei, entschlossen wir uns im Biergarten
der Forschungsbrauerei München, die das eigentliche Ziel unserer
Reise war, spontan, die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt
in der Schweiz zu gründen», erinnert sich deren Generalsekretär
Hartmuth Attenhofer, Kantonsrat und Journalist aus Zürich. «Wir
kamen zu der Ansicht, dass man auch bei uns, in Zürich, eine
Bierkarte verlangen könne, auf der sieben bis acht Biere zur
Auswahl stehen. Das war unser Wunsch.»
Und wie setzten Sie diesen Wunsch in die Tat um? «Wir beschlossen,
dass wir alle in unseren Stammkneipen nachfragen: Haben Sie denn
nicht noch ein anderes Bier? Ja, wir insistierten sogar, und nach
einiger Zeit merkten die Wirte schnell: Es gibt ja nicht nur ein
Bier, sondern mehrere: dunkle, helle oder Lager beispielsweise.
Gleichzeitig begannen wir aber auch, an Brauereien Briefe zu schreiben:
Wo sind denn all Ihre alten Biere von früher? Warum gibt es
sie nicht mehr? Aber alle brachten dieselben Ausreden: Dunkles
Bier z. B., das läuft nicht mehr.»
Gab es denn zu dem Zeitpunkt, als die Gesellschaft zur Förderung
der Biervielfalt gegründet wurde, also 1988, bei den Biersorten,
Biermarken, der Zahl der Brauereien nicht auch einen Einbruch zu
verzeichnen, der besonders auf das so genannte Bierkartell zurückzuführen
war? «Richtig. Dieses Bierkartell, das erst um 1992 durch
eine EU-Verordnung verschwand, hatte zur Auswirkung, dass das Bier
bei uns qualitativ zwar sehr gut war, aber es schmeckte in der
gesamten Schweiz gleich. Berühmt war ja damals, als sich die
grossen Brauereien zusammenschlossen und zugleich die kleinen schluckten,
die Kinowerbung: Zuerst hörte man, wie eine Flasche geöffnet
wird, blubbernd wurde eingeschenkt, Schaum stieg auf, und dann
sah man das Gelbe unten im Glas: ‹Ach, ein Schweizer Bier.› Hätte
man einen solchen Spruch Weinkennern, die wir hier zu Lande ja
fast alle sind, je zugemutet? Ich denke nicht. So forcierten wir
unsere Öffentlichkeitsarbeit, gingen sogar ans Fernsehen und
setzten uns für die verschiedensten undunterschiedlichsten
Biere ein: Saisonbiere, Bockbiere, Märzenbiere, Festtagsbiere
und und und.»
Hatten Sie mit Ihren Aktivitäten denn auch Erfolg? «Klar.
Um nur zwei Dinge zu nennen: Heute gibt es in der Schweiz mehr
Biere als je zuvor, fast 150. Und auch die Zahl der Bierbrauereien
ist grösser als vor 50 Jahren, als es etwa 120 gab. Ähnliches
gilt übrigens auch für den Platz Zürich, wo es wieder
vermehrt kleine Brauereien, aber auch kleinste, betrieben von ausgesprochenen
Bierliebhabern, gibt; die Privatleute, Quartier- oder Dorfläden,
den Metzger oder Bäcker, das eine oder andere Restaurant,
Lokal beliefern.»
Und worauf legen die Mitglieder Ihrer Gesellschaft, deren Zahl
in den letzten Jahren ebenfalls beträchtlich angestiegen ist
von einst 5 auf heute 320, weiterhin grössten Wert: «Dass
ein Bier, woher auch immer, nach dem Reinheitsgebot gebraut sein
muss, gehaltvoll schmeckt und sich deutlich unterscheidet vom Nachbarbier,
komme es nun aus Wädenswil oder Hombrechtikon, Zürich
oder Genf. Ebenso wollen wir einen klaren Unterschied zwischen
einem Löwenbräu und Hürlimann, Falken- und Feldschlössli,
den Bieren der grossen Brauereien, auch wenn diese unterdessen
längst in ausländische Hände übergegangen sind.
Und nicht zuletzt liegt uns sehr am Herzen, dass Bier eben nicht
nur, wie oft fälschlicherweise angenommen und in der Werbung
propagiert, ein Durstlöscher ist, sondern auch ein Genussmittel – wie
Wein!»
Quelle: www.zueritipp.ch
(Peter
Figlestahler )
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